Der große rsn-Gravelbike-Test - Teil 2, Rad 2

Lauf True Grit: Das Rad zur Gabel

Von Wolfgang Preß

Foto zu dem Text "Lauf True Grit: Das Rad zur Gabel "
| Foto: laufforks.com

15.07.2018  | 

Im Jahr 2011 stellte der isländische Ingenieur Gudberg Bjornsson auf der Eurobike ein bahnbrechendes Konzept für eine Vorderrad-Federung vor: Die "Lauf-Fork" kam ganz ohne bewegliche (und damit verschleißanfällige) Teile aus.

Bjornsson hatte durch seine Erfahrungen mit Bein-Prothesen -
und seine Leidenschaft für Räder - die Idee, eine Gabel auf Basis der Blattfeder-Technologie zu entwickeln. Zusammen mit seinem Freund, dem Produkt-Designer Benedikt Skulason, gründete er in Reykjavik im Jahr 2010 die Firma Lauf.

Das Start-up hat heute drei verschiedene Blattfeder-Gabeln im Angebot, die vor allem bei Cross-Country-Mtb- und Gravel-Racern in den USA und Großbritannien recht beliebt sind, bei uns aber eher noch wenig bekannt.

Im vergangenen Herbst, also sieben Jahre später,
führt Lauf ein Carbon-Rahmen-Set ins Sortiment ein, das auch als Komplett-Rad in drei Versionen erhältlich ist - natürlich mit der Gravel-Carbon-Blattfedergabel "Grit" mit 30 mm Federweg.

Wir hatten das Modell "Race Edition" im Test, mit Sram-Force-Komponenten und 1x11-Schaltung. Die Einsteiger-Version "Weekend Warrior" ist mit "Rival"-Ausstattung unterwegs, das Top-Modell "Wireless" mit der elektronischen "Red eTap"-Schaltung, mit Zweifach-Kettenblatt.

Die Jungs von Lauf haben mit dem neuen "True Grit"
ein vielseitiges Gravel- und Endurance-Carbon-Rennrad für auch anspruchsvolles Gelände entwickelt. Durch den längeren Radstand ist der Speed-Gravel-Racer auch bei höheren Geschwindigkeiten recht laufruhig.

Die Lenkung ist allerdings bauartbedingt etwas träge: Die spezielle Konstruktion der Gabel ergibt einen relativ langen Vorlauf, der vor allem bei langsamerer Fahrt einen kräftigen Einsatz am Lenker erfordert. Man gewöhnt sich allerdings schnell daran, und die Vorteile der Blattfederung überwiegen mE.

Das "True Grit" ist das erste Bike, das abgestimmt
auf die "Grit Fork" gebaut wurde. So ist die Geometrie des Rahmens, der in Monocoque-Bauweise produziert wird, länger als üblich, und wird von Lauf „Long 4 Speed“-Geometrie genannt.

Ein langer Radstand ist bei Mountainbikes schon eine ganze Zeit im Trend; die cleveren MTBler haben sich das bei den Motocrossern abgeguckt: Länge läuft! So ergibt sich aus dem längeren Oberrohr mehr Gewicht auf dem Vorderrad, und eine sportlichere Sitzhaltung. Der kürzere Vorbau soll dafür sorgen, dass die Steuerung trotzdem direkt bleibt. Der flache Steuerrohrwinkel und der durch die Grit-Gabel recht große Nachlauf neutralisieren das allerdings wieder.

Die "Grit"-Gabel ist erstaunlich sensibel,
und hat auf Schotter ihre Stärken, die zum Tempobolzen auf Waldwegen einlädt. Aber auch auf ruppigen, wurzeligen Pfaden und sogar auf leichteren Singletrails dämpft die "Grit" ordentlich was weg - und das mit einem echten Gewichts-Vorteil gegenüber herkömmlichen Tele-Gabeln.

Die am Test-Modell verbaute Sram-Force-1×11-Gruppe hat mit 10 bis 42 Zähnen ein durchaus bergtaugliches Übersetzungs-Spektrum. Einen großen Einsatzbereich in Sachen Reifen bietet auch der Rahmen, mit genug Luft für bis zu 40 mm breite Reifen hat - und wo sich trotzdem kein Schlamm sammelt.

Witziges Detail: An Stelle des vorderen Umwerfers montiert
Lauf einen Flaschenöffner. Warum? „Beer or Gear!“, sagt Gudberg Bjornsson: "Leute, die Zweifach-Antriebe brauchen, haben auch das Geld für unser Modell mit E-Schaltung - und trinken sowieso kein Bier."

Ganz ausgereift ist das Ganze allerdings noch nicht: Beim Öffnen muss man die Flasche relativ schräg halten, so dass immer etwas Bier über Kette und Zahnkranz läuft. Möglicherweise beabsichtigt von Lauf? Ob Bier ein gutes Schmiermittel ist, bleibt in Fachkreisen allerdings umstritten...

rsn-Bewertung: Das "True Grit" ist ein vielseitiger Gravel- und Ausdauer-Carbon-Renner, der richtig Spaß macht - ob auf Schotter, (leichten) Singletrails, Waldwegen, Asphalt, oder beim Öffnen des "After Ride"-Biers. Ausgestattet mit Sram-Force-Komponenten, DT-Swiss-Laufrädern mit 40-mm-Maxxis-Schlappen und der wartungsfreien "Grit SL Grinder"-Gabel mit 30 mm Federweg gibt's an dem Schotterflitzer nicht wirklich was zu meckern - und dazu fünf Jahre Garantie.

Die Daten
Rahmen: True Grit, Carbon Monocoque
Gabel: Lauf Grit SL, Carbon, 30 mm Federweg
Lenker: Easton EC70 AX Carbon
Lenkerband: Easton Pinline
Schaltwerk: Sram Force 1
Umwerfer: Lauf Bottle Opener
Schalt-/ Bremshebel: Sram Force 1
Bremsen: Sram Force 1 Flat Mount (160 mm v, h)
Zahnkranz: Easton EC90 SL 42 Z.
Kassette: Sram 1195, 11fach, 10 - 42 Z.
Kette: Sram 1130
Sattel: WTB Volt Pro/ Deva Pro (m/ f)
Sattelstütze: FSA SL-K, 27,2mm; Carbon
Laufräder: DT Swiss XR1501 (Steckachsen, tubeless ready)
Reifen: Maxxis Rambler Exo-TR, 40 mm
Vorbau: Easton EA70
Steuersatz: FSA Orbit, IS 42/52
Tretlager: Easton BSA 68mm
Flaschenhalter-Ösen: 3 Paar
Gewicht: 7,9 kg; Rahmen: 1070 g (Gr. M)
Preis: ab 3690 Euro
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Weitere Informationen

Lauf Forks Ltd.
Ingolfsstraeti 3
IS-101 Reykjavik
Island

Fon: 00354 626 3332

E-Mail: sales@laufforks.com
Internet: www.laufforks.com

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