Kiesenhofer sensationell Olympiasiegerin

“Die schwerste Medaille, die ich je um meinen Hals hatte“

Von Peter Maurer

Foto zu dem Text "“Die schwerste Medaille, die ich je um meinen Hals hatte“"
Das Podium des Olympischen Straßenrennens der Frauen, v.l.: Annemiek van Vleuuten, Anna Kiesenhofer, Elisa Longo Borghini | Foto: Cor Vos

25.07.2021  |  (rsn) - Für Anna Kiesenhofer endete eine 137 Kilometer lange Fluchtfahrt, die am Kilometer 0 begann, mit dem Olympiasieg. Die 30-jährige Niederösterreicherin sorgte im Straßenrennen der Frauen für die große Sensation und holte Österreichs erste Straßen-Radsportmedaille sowie erstmals Gold seit Olympia 2004, als Kate Allen im Triathlon siegte.

“Es ist noch schwer zu begreifen. Irgendwie, wenn man bei den Interviews wiederholt, dass man Olympiasiegerin ist, dann wird es ein bisschen mehr wahr. Ich glaube, das ist die schwerste Medaille, die ich jemals um meinen Hals hatte“, grinste die Olympiasiegerin nach dem Rennen.

Gleich nach dem scharfen Start attackierte Kiesenhofer als erste Fahrerin aus dem Feld heraus. Zuerst erhielt sie Begleitung von der Südafrikanerin Carla Oberholzer und der aus Namibia stammenden Vera Looser. Danach kamen noch die Polin Anna Plichta sowie die Israeli Omer Shapira hinzu. Später blieben Kiesenhofer, Plichta und Shapira übrig und fuhren sich einen Maximalvorsprung von fast elf Minuten heraus.

Kiesenhofer mit Glück und Geschick zu Gold

“Heute hat einfach alles gepasst. In einem Straßenrennen spielt immer der Faktor Glück eine große Rolle. Ich hatte den Mut zu attackieren und war am Ende die Stärkste unter den Ausreißerinnen. Das Überraschungsmoment war sicher auf meiner Seite, einer bekannteren Fahrerin hätten sie nicht so viel Vorsprung gegeben. Erst auf der Ziellinie habe ich realisiert, was ich geschafft habe. Bis dorthin war ich voll am Limit“, schilderte die Siegerin ihre Triumphfahrt. Am Kagosaka-Pass war der Vorsprung auf sechs Minuten gesunken und 40 Kilometer vor dem Ziel setzte sich die Österreicherin dann von ihren Begleiterinnen ab.

Plichta und Shapira wurden auf den letzten Kilometern noch gestellt, Kiesenhofer hingegen erreichte die Ziellinie mit einem Vorsprung von 1:15 Minuten auf die Niederländerin Annemiek Van Vleuten, der vor fünf Jahren in Rio eine Medaille nach einem Sturz verwehrt blieb. Van Vleuten jubelte irrtümlicherweise im Ziel, weil sie nicht wusste, dass noch eine Fahrerin vor ihr gewesen war. Bronze ging an die Italienerin Elisa Longo Borghini.

“Herzlichen Glückwunsch an Anna Kiesenhofer. Das ist ein historischer Erfolg für den Österreichischen Radsport. Nach 125 Jahren gibt es wieder eine Radsportmedaille. Das ist eine unglaubliche Geschichte“, freute sich ÖRV-Präsident Harald J. Mayer. “Anna Kiesenhofer wurde heute für eine tolle Fahrt, bei der sie Mut, Kraft und Selbstvertrauen zeigte, mit Gold belohnt."

Ãœber den Triathlon zum Radsport

Die Olympiasiegerin kam über den Triathlon bei einem Auslandsstudium in Spanien zum Radsport und bestritt dort auch ihre ersten Rennen. Dank guter Leistungen bekam sie eine Einladung für eine internationale Auswahl, mit der sie an der Ardeche-Rundfahrt in Frankreich teilnehmen konnte. Dort überraschte sie mit einem Etappensieg am Mont Ventoux, schloss das Rennen als Gesamtzweite ab und erhielt für das folgende Jahr von einem belgischen Rennstall einen Profivertrag angeboten.

Doch einige Stürze und Verletzungssorgen ließen sie zweifeln und aufgrund ihres Studiums schob Kiesenhofer das Rad für ein Jahr in die Ecke. Sie beendete ihren Vertrag vorzeitig und konzentrierte sich auf ihre berufliche Laufbahn als promovierte Mathematikerin. Kiesenhofer trat einen Job in Lausanne an und kehrte danach auch wieder zurück aufs Rad zurück. 2018 beendete sie In 8:12:56 Stunden den Ötztaler Radmarathon und wurde damit Zweite.

Danach konzentrierte sie sich auf das Einzelzeitfahren, wurde 2019 zweifache Österreichische Meisterin und kurz danach Fünfte bei den Zeitfahr-Europameisterschaften. Bei der WM verpasste sie als 20. nur äußerst knapp einen Zeitfahrstartplatz für die Olympischen Spielen.

Um ihren Traum dennoch zu verwirklichen, konzentrierte Kiesenhofer sich auf die Straße, bestritt im letzten Herbst nochmals die Ardeche-Rundfahrt und wurde Gesamtdritte. Bei den Weltmeisterschaften landete sie auf Rang 18 im Zeitfahren und Platz 44 im Straßenrennen. In dieser Saison holte sie sich in Österreich ihren dritten Zeitfahrtitel in Folge und feierte nun mit dem Olympiasieg den größten Erfolg ihrer Karriere.

Mehr Informationen zu diesem Thema

08.08.2021Valente holt zum Abschluss Gold im Omnium der Frauen

(rsn) - Mit der Omnium-Goldmedaille für Jennifer Valente (USA) sind die Olympischen Bahnwettbewerbe in Izu zu Ende gegangen. Nach vier Wettbewerben setze sich die US-Amerikanerin mit 14 Punkten Vorsp

07.08.2021Programm der Olympischen Rad-Wettbewerbe

(rsn) - Nachdem in der ersten Woche der Olympischen Spiele von Tokio die Straßenrennen sowie die MTB- und BMX-Wettbewerbe ausgetragen wurden, stehen in der zweiten Woche die Bahnwettbewerbe auf dem P

07.08.2021Am Schlusstag greift Hinze noch nach einer Bahnmedaille

(rsn) - Die Chancen auf eine dritte deutsche Bahnmedaille bei den Olympischen Spielen stehen weiterhin gut. Denn Weltmeisterin Emma Hinze schaffte im Sprint der Frauen den Einzug in das Halbfinale. So

07.08.2021Sturz beendete die deutschen Madison-Hoffnungen

(rsn) – Michael Morkov und Lasse Norman Hansen konnten im Madison-Rennen der Olympischen Spiele vom Tokio einen Favoritensieg einfahren. Sie gewannen in einem unglaublich schnellen Rennen die Goldme

07.08.2021Hinze schafft Sprung ins Semifinale, Friedrich scheitert knapp

(rsn) - Die Chancen auf eine dritte deutsche Bahnmedaille bei den Olympischen Spielen stehen weiterhin gut. Denn Weltmeisterin Emma Hinze schaffte im Sprint der Frauen den Einzug in das Halbfinale. So

06.08.2021Alpecin - Fenix mit Krieger und Bayer zur Vuelta

(rsn) - Nachdem er beim Giro d`Italia sein Grand-Tour-Debüt gegeben hat, steht mit der Vuelta a Espana auch noch die letzte großen Rundfahrt im Programm von Alexander Krieger (Alpecin – Fenix). De

06.08.2021Sprint: Lavreysen schlägt im Gold-Duell Landsmann Hoogland

(rsn) - In einem niederländischen Duell hat sich Sprint-Weltmeister Harrie Lavreysen nun auch den Titel des Olympiasiegers gesichert. Nachdem sein Landsmann Jeffrey Hoogland den ersten Lauf für sich

05.08.2021Omnium-Gold für Bora-Profi Walls, Levy Fünfter im Sprint

Matthew Walls (Großbritannien) ist unangefochten Olympiasieger im Omnium geworden. Der Neoprofi von Bora – hansgrohe baute im Punkterennen, dem vierten und letzten Wettbewerb, als Zweiter hinter Ca

04.08.2021Keirin: Hinze macht es spannend, Friedrich souverän

(rsn) - Mit einem deutlichen Erstrundensieg ist Lea Sophie Friedrich ins Keirin-Viertelfinale eingezogen, das am Donnerstag ausgetragen wird. Spannend machte es dagegen Emma Hinze. Die dreimalige Welt

03.08.2021Geschke kommt langsam wieder im Alltag an

(rsn) – Der Jetlag ist noch nicht ganz überstanden, aber nach seiner Rückkehr von den Olympischen Spielen, die er aufgrund eines positiven Coronatests in einem Quarantäne-Hotel verbringen musste,

03.08.2021Deutscher Frauenvierer auf dem Weg zu Gold immer schneller

(rsn) – Bei 4:04.242 Minuten blieb die Zeit stehen, als der deutsche Frauenvierer kurz nach 17:30 Uhr Tokioter Zeit seinen Finallauf in der 4.000 Meter Teamverfolgung beendet hatte. Franziska Brauß

03.08.2021Dänemark nach Sturzdrama Finalgegner des Ganna-Vierers

(rsn) - Bei den Männern haben die Italiener bei den Olympischen Spielen in Tokio auf der Bahn in der Teamverfolgung einen neuen Weltrekord aufgestellt. Doch für ein großes Drama sorgten die abgelö

Weitere Radsportnachrichten

11.05.2024Flachetappe in die Hauptstadt der Pizza-Liebhaber

(rsn / ProCycling) – Die Verbindung der Rennorganisatoren RCS mit Neapel scheint in den letzten Jahren besonders eng geworden zu sein. Zum dritten Mal in Folge schlägt der rosa Zirkus seine Zelte i

11.05.2024Teamkollegen überredeten Pogacar, im Apennin auf Sieg zu fahren

(rsn) - Normalerweise sagt im Radsport der Kapitän, wann und wie er auf Sieg fahren will. Das ist sicher auch bei Tadej Pogacar und seinem UAE Team Emirates so. Mit dem Unterschied, dass die Mannscha

11.05.2024Sturz in Spitzengruppe raubte Santic - Wibatech die Siegchance

(rsn) - Bei der Silesian Classic (1.2), einem neuen UCI-Eintagesrennen in Polen, hätte sich das deutsche Team Santic - Wibatech beinahe den Premierensieg gesichert. Nach 160 Kilometern fuhren die be

11.05.2024Fleche du Sud: Rüegg auf Podiumskurs, Rapp und Peter lauern

(rsn) - Das 18,6 Kilometer lange Einzelzeitfahren am Vorschlusstag des Fleche du Sud (2.2) hat nur wenig Veränderungen im Gesamtklassement gebracht. So geht weiterhin der Niederländer Pim Ronhaar (

11.05.2024Martinez hatte den Sieg vor Augen, bis Pogacar antrat

(rsn) – Mit dem Tagessieg bei der Apennin-Bergankunft in Prati di Tivo hat es für Bora – hansgrohe auf der 8. Etappe des Giro d´Italia nicht geklappt. Überflieger Tadej Pogacar (UAE Team Emirat

11.05.2024Thomas “überrascht, dass andere abgehängt wurden“

(rsn) – Zwei Minuten Zeitverlust auf Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) im Einzelzeitfahren am Freitag: Die Aussichten für Geraint Thomas (Ineos Grenadiers) vor der zweiten Bergankunft des 107. Giro

11.05.2024Großschartner: “Der Etappensieg war eigentlich nicht unser Ziel“

(rsn) – Das Finale der 8. Etappe des Giro d’Italia (2.UWT) ging Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) eher gemächlich an. Statt einer frühen Attacke verließ sich der Slowene auf seine SprintqualitÃ

11.05.2024Pogacar holt Etappensieg Nr. 3, diesmal im Sprint am Berg

(rsn) – Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) hat einen Tag nach seinem zweiten Etappensieg beim 107. Giro d’Italia gleich den dritten nachgelegt. Auf der 8. Etappe von Spoleto zur Bergankunft von Pra

11.05.2024Nys lässt Hirschi und Co. im Bergaufsprint keine Chance

(rsn) – Thibau Nys (Lidl – Trek) hat bei der Ungarn-Rundfahrt seinen zweiten Etappensieg in Folge gefeiert. 24 Stunden nachdem der 21-jährige Belgier an der Bergankunft von Gyöngyös-Kékestö d

11.05.2024Amador bei schwerem Trainingsunfall mit Glück im Unglück

(rsn) – Andrey Amador (EF Education – EasyPost) ist bei einem schweren Trainingsunfall vor den Toren von Barcelona am Donnerstag den Umständen entsprechend glimpflich davongekommen. Der Costa Ric

11.05.2024Heidemann fällt mit Ellenbogenbruch für unbestimmte Zeit aus

(rsn) – Ein schwerer Sturz bei der Famenne Classic (1.1) Ende April in Belgien hat den Höhenflug von Miguel Heidemann (Felt – Felbermayr) gestoppt. Der Darmstädter, der bei allen vier Rundfahrt

11.05.2024Bredewold verteidigt Gelb mit Stil und holt zweiten Itzulia-Sieg

(rsn) – Mischa Bredewold (SD Worx – Protime) hat ihr auf der 1. Etappe erobertes Führungstrikot am zweiten Tag der Itzulia Women (2.WWT) nicht nur verteidigt, sondern sich nach 104 Kilometern vor

RADRENNEN HEUTE

    WorldTour

  • Giro d´Italia (2.UWT, ITA)
  • Radrennen Männer

  • Tour de Hongrie (2.Pro, HUN)